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- Allgemein (37)
- 3.1.2010: nacktscanner airport marxwalde - harry outet sich
- 10.3.2009: Limetten und Limonen
- 24.1.2009: Bass in der Pankower Szene
- 16.1.2009: Umwelt ick liebe dia
- 11.1.2009: Supernova in der Sternwarte Prenzlauer Berg.
- 31.12.2008: Sitzt auf Bällen und weint - Mutter gegen Sohn
- 21.12.2008: Schokolade fressen
- 21.11.2008: Harry – lost in prenzlauer berg
- 21.11.2008: Ein Mann muß nicht abwaschen - Harry das Wahrzeichen
- 15.11.2008: Strafe muß sein
nacktscanner airport marxwalde - harry outet sich
3.1.2010 von Leachim Rimov.
in den achziger jahren saßen harry und speiche mit teddy im wald. sie hatten sich immer hierher verzogen um die von vater geklauten zigarren zu paffen. teddy war speiches hund. und in marxwalde war vieles nicht so einfach wie woanders in der ddr. es war ein geheimer ort. so geheim, wie orte in der ddr eben sein konnten. teddys augen streiften umher. immer auf der suche nach anderer herrchen hunde. er liebte den konflikt. der hund verstand andere hunde nicht. sie waren ihm unheimlich und er bekam immer angst, wenn plötzlich in der ruhe des spazierganges mit speiche und harry ein anderer hund auftauchte. diese angst killte er mit todesmut und schwerster aggression. er warf sich dem gegnerischen tier entgegen. viele überlegene feinde hatte er nicht. jedenfalls nicht in seinen jungen jahren. er war ein stattliches tier, ein zahn war abgebrochen, der rest vom gebiss übelriechend und gilbverändert, sein fell zottelig, die statur nicht schlecht - so zwischen schäferhund und schappiewerbespotcastinggewinnler, nur mit rastaartigen verklebungen im fell. jedenfalls biss er sich regelmäßig bei den spaziergängen und manch herrchen ging ohne hundi wieder nach hause. nur hier war ruhe, hierher kam kein spaziergänger.
harry und speiche waren gerade um die sechszehn und hatten auf nichts lust und sprachen wenig. auch miteinander bestand die kommunikation aus kurzsilbigem übel gemischtem berlinranddialekt. sie befanden sich in einem eichenwäldchen am rand einer mit müll vollgeschmissenen kute. die kute war wohl bei einem granateinschlag im zweiten weltkrieg entstanden. davon gab es hier zahlreich. das schlechte deutsch der beiden spiegelte die schlechte gegend und den schlechten ort. er war denkbar schlecht. es handelte sich um ein sehr sperriges stasi sperrgebiet. es war weitläufig und die beiden jungs kannten sich aus. daher hat man sie nur einmal beim hiersein erwischt. es war auch keiner dieser zahlreichen leisen stunden ohne viel gerede. sie hatten ein moped dabei und waren schwarz, ohne führerschein, mit dem ding durch den märkischen sand geheizt, als ein unauffällig als förster getarnter mann mit einem zivilen grauen dienstfahrzeug marke lada vor harry stehen blieb und ihm den zündkerzenstecker abriß. er teilte ihm mit was verboten war und daß er sich das teil im volkspolizeikreisamt strausberg abzuholen hätte.
heute waren beide besonders langweilig drauf und machten sich auf den weg tiefer in den wald. sie wollten bis an den zaun, hinter dem der geheime stasiflughafen marxwalde versteckt war. von hier flog man nach überall hin. zunächst mussten die flugzeuge aber die hohen tiere der ddr in schönefeld abholen. speiche ist ein sehr pyromaner mann und nichts gefiel ihm schon damals besser sich in dem dörren wald bei offizieller waldbranndwarnstufe 4 (maximum!!!) ein feuerchen zu machen. heute war aber irgendwie besonderes interesse daran, denn die langeweile dieses augustnachmittages war ja auch zu arg. als sie von der kute aufgebrochen waren hatte sich speiche eine alte derbe kunststoffplane aus den müllhäufen gezogen und sie mitgeschleppt. nun hatte er sein feuerzeug genommen und damit eine ecke der plane angekokelt. je mehr harry einen schrecken in den augen hatte, je mehr fand er diese brenzliche plane toll. harry wurde energisch und versuchte seinen freund zu bendigen. der bekam aber stattdessen einen seiner haschmichs. harry hatte mühe das unter dem tropfenden pvc anbrennende forztrockene eichenlaub auszutreten als sich speiche im galopp mit hochgehaltener mehr und mehr feuer fangender pvc plane und scheinbar wahnsinnig glücklich über die entsprechende tropfenbildung wie ein besengter loszurennen, immer tiefer in den wald. komisches bild das. harry inzwischen außer sich vor zorn spurtet hinter dem wie ferngesteuert brennenden und rennenden freund speiche hinterher und trat bei jedem verfolgerschritt einen herd mit waldbrandgarantie aus. bis er ihn hatte. da war schluß mit lustig, speiche kam erst zu fall und dann zu liegen. harry hatte ihm einen heftigen tritt verpasst. speiche keuchte nur und gab knurrende schmerzlaute von sich. das feuer war unter kontrolle also aus.
die szene wurde aber gesehen. die jungs waren ertappt. als sie es sahen rannten sie los. teddy war nach einem kleinen abstecher auch wieder bei ihnen. er rannte zum förster und wollte dessen hund jagen. dieser förster hatte aber keinen hund. dafür einen karabiner. sofort legte er an und schoß, um sich den bedrohlich schnell daherbrausenden zottelhund vom hals zu halten. glück hatte teddy, denn sein kontrahent hatte ordentlich einen in der krone. bei dem wachjob kein wunder, idylle pur und keine kontrolle vom chef, wie auch, hier draußen ist jeder auf sich alleine gestellt. der schuß verfehlte den hund und traf irgendwas, was dann seinerseits detonierte. plötzlich war einige hundert meter weiter ein krater entstanden. eine mine war hochgegangen. fast hätten die umherfliegenden trümmer harry und speiche auf der flucht erwischt. es war bei der gelegenheit ein schwarzes schwarzpulverlager von stasioffizieren hochgegangen. damit konnte man nämlich zu ostzeiten schon gut dealen, denn dynamitangeln war ein weit verbreitetes hobby vom ostdeutschen establishment. durfte nur keiner wissen, denn offiziell gab es keine munition unter der bevölkerung.
harry und speiche retteten sich aufs einsame in der sommerhitze schmorende flughafengelände und gerieten an ein einsames häuschen. als sich die aufregung nach einigen stunden chaos an der flughafengrenze gelegt hatte, die wacheinheiten hatten alarm bekommen und mußten allerlei peinigung von ihren vorgesetzten ob der komischen situation mit dem loch im zaun über sich ergehen lassen, sahen die jungs ihren braven hund hinter dem zaun kauend auf sie warten. er hatte ein verletztes reh zerlegt. der zaun war repariert aber teddy wußte schon, seinen herrchen ging es gut. nur hunger hatten sie und sie beschlossen im schutze der dämmerung nach happa happa zu suchen. sie schlichen sich zu den etwas bewohnter aussehenden gebäuden und den bunkerartigen hangars. die küche war schon verwaist, als harry die hebel der kühlkammer hochschob und sich wunderte, daß die temperatur garnicht kalt war. er schaltete das licht der vor ihm liegenden halle ein und schaute. er traute seinen augen nicht. ein im probelauf befindlicher, streng geheimer naktscanner für die flughafenabfertigung und nicht 2009 nein es war das jahr 1984. und nicht der westen, nein erichs reich hatte ihn erfunden und testete ihn gerade. und man konnte damit auch promis filzen, ohne sie gleich mit baren körpermerkmalen zu verraten. also das pimmelchen vom vorsitzenden blieb verborgen.
harry dachte sofort, wer hindert aggressive chirurgen daran flüssigkeiten und sprengstoff unter die haut und in organe zu implantieren?? diese nacktscanner können das aber bis heute nicht.
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Limetten und Limonen
10.3.2009 von Leachim Rimov.
Es war der erste helle Tag in diesem Jahr und Harry suchte nach einer Bleibe. Eben war er von einem Makler instrumentalisiert worden. Er sah sich eine Wohnung an. Sie war vermietet. Und es stellte sich heraus, daß der Besitzer der Wohnung seinen Mieter mit Besichtigungen terrorisierte. Vor etlichen Jahren hatte er einen günstigen Mietvertrag abgeschlossen und nun, als der Mieter selber zwar viel zur Instandsetzung getan hatte aber selber nicht den Preis für den Hauskauf aufbringen konnte, terrorisierte der Besitzer den Mieter regelmäßig mit wohl nicht mal ernstgemeinten Besichtigungsterminen. Ein Arbeitskollege hatte Harry abgeraten, die Wohnung zu kaufen. Harry ist trotzdem zur Besichtigung gegangen. Und nun hatte er den Salat. Unschön war nicht nur die gespannte Atmosphäre. Offener Hass sprang dem vermeintlichen Interessenten entgegen, als er die Bewohner direkt ansprach.
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Bass in der Pankower Szene
24.1.2009 von Leachim Rimov.
Niemals hatte Speiche ein anderes Instrument als die Drahtharfe gespielt. Bis Ende der Achziger war er Basser der Ostberliner Band “Hotel Stadt Berlin”. Sie spielte Rock. Unentdeckten Intelo- und Genialorock. Maschine und Urin machten Gitarren verrückt und Speiche schnabelte mit Harry am Schlagzeug den Tackt zurecht. Es lief immer super. Alle vier hatten eine innere Eintracht. Sie spielten jeden Abend in den damals angesagten Bierstampen. Es waren entglittene FDJ Clubs, die zunehmend gegen Ende der DDR selber Life Music engagierten und kein Geld hatten. So hieß es für die im Aufstieg befindeliche Band aus Pankow Ende der achziger Jahre: Leben wie ein Hund. Die hatten Wohnungen in der Prenzlauer Allee gechartert. Damals ging man, wenn man Wohnraum brauchte mit offenen Augen durch seinen Wunschstadtbezik und sah nach Fenstern ohne Gradinen. Etwa 40000 Wohnungen standen gegen Ende der achziger in Ostberlin leer. Konspirative Arbeiter hatten eine Menge der Wohnungen für sich in den Beschlag genommen. Aber auch die Lücke, die Ausreisende in der Stadt gerissen hatten, schlug sich nieder. Der Band tat das nur gut. Klo halbe Trepppe und Berliner Zimmer immer für zwei bedeutete für HSB Alltag. Sie probten in einer dieser Unterkünfte. Das hieß ständige dialektische Auseinandersetzung mit den Nachbarn. Aber es half nichts. Wenn diese vier Jungs auf der Bühne standen waren sie besessen und auch wenn sie nicht gerade Künstler in Sachen Beherrschen von Musikinstrumenten waren, sie verführten immer ihr Publikum. Der Schlagzeugsound von Harry und der beste Bass im Osten schlugen in den Ohren der Stadt ein. Egal was Text und Gitarren hergaben, der Zuhörer kam ratsfats in Trance und tanzte. Sie spielten mit Absicht den frühen Acid House und schleimten sich dabei bei den Damen im Publikum mit viel Erfolg ein. Wenn die Mädels Blut geleckt hatten, gingen auch die Kerls nicht mehr von der Tanzfläche. Ob Knaack, Franz, Duncker, Bunker, Tresor, Cafe Nord, Bowo, Sonne, Jukka, Greif oder wie sie alle hießen, bei HSB waren alle da und es wurde immer voller. Die Veranstalter schlugen sich um die Truppe.
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Umwelt ick liebe dia
16.1.2009 von Leachim Rimov.
Das Leben ist ein Wechselspiel. Manchmal gewinnt man und manchmal hat man eine Pechschleife. Thorben und Björn aus einer kleinen Stadt am Rhein sind Umweltaktivisten. Sie hatten sich seither dem Kampf gegen Atommülltransporte und gegen die Verspargelung der Umwelt mit Windkrafträdern verschrieben. Auch sind sie seit ihrer gemeinsamen Schulzeit in der Walfischschule von Greenpeace im Speckgürtel von Köln einsame Verfechter der Zucht von artgerecht gehaltenen Kleinhundrassen im stadtnahen Bereich. Man konnte das ja nicht mit ansehen. Erst die Verschandelung der freien Sicht auf den Regenbogen und dann noch diese Hundezwinger ohne jeden Auslauf, die schon beim bloßen Anblick ihrer Produkte schwere Mängel erkennen lassen.
Als der Landrat höchst persönlich mit einer Petition an den Umweltausschuß herangetreten war, sämtliche Rotorblätter in der ländlichen Region Deutschlands gegen sogenannte gläserne Schwerter zu tauschen, damit der Flimmereffekt der inzwischen sämtlichst chronifizierten psychosomatisch erkrankten Anrainer der Windkraftanlagen wenigstens abgemildert wird, setzten sie sich flugs zusammen und berieten die nächsten Schritte. Dabei kamen sie zu dem Entschluß, daß in Zukunft mehr PKW hergestellt werden müssen und angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Krise Anreize zum Kauf dieser Fahrzeuge beim Endverbraucher gesetzt werden müssen. Thorben kaufte das Druckerpapier und den Toner und Björn schrieb alles fein säuberlich auf und gemeinsam schickten sie ihr Ergebnis an das Bundeskanzleramt der Frau Merkel in Berlin. Im Januar 2009 trat dann das Ergebnis ihrer Bemühungen ein. Heute sitzen Thorben und Björn selber an den Schalthebeln der Macht und haben nebenbei ein gut florierendes Unternehmen, daß Meßgeräte für Reste von Kokain in den Toiletten des Bundestages herstellt. Damit hat der Plenumchef immer einen guten Überblick, wieviel jeder der Abgeordneten gerade leistet oder ob der Abgeordnete im Brustton der Überzeugung einfach gerade nur so tut als hätte er viel zu tun. Die Ergebnisse sind ja in den letzten Jahren sehr eindeutig gewesen. Man hat in einem Sonderausschuß im Übrigen auch festgestellt, daß es rein rechnerisch (versteht sich)(vorerst) zur Vermeindung von Co2 Überschuß in der Atmosphäre gut wäre, den gesamten Wald Deutschlands abzuholzen und mit Ariane Raketen in das All zu schießen-weg aus unserer Welt. Denn der Co2 Speicher Holz ist geradezu ideal. Thorben und Björn arbeiten an einer entsprechenden Petition.
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Supernova in der Sternwarte Prenzlauer Berg.
11.1.2009 von Leachim Rimov.
Es war einer dieser warmen Tage in der kalten Jahreszeit. Bill und Harry arbeiten an einer ganz kniffligen Geschichte. Die Angst sitzt den beiden Vierundzwanzigendern im Nacken. Sie haben einen gravierenden Fehler gemacht und versuchen nun, ihn gerade so wieder hinzubiegen. Harry hatte gestern bis tief in die Nacht am Computer gesessen und das Sicherheitsupdate heruntergeladen und da hatte sich auch noch das System verabschiedet. OK das alleine geht ja alles, es hatte vor zwei Jahren zwar schonmal ein ganzes Wochenende gekostet, den Schaden in irgendsoeiner initialisierenden Datei wieder in Ordnung zu bringen aber das war es auch schon.
Es war ein Sonntag im Januar 2004. Bill und Harry waren privat sehr eng und beruflich gegensätzlicher als gegensätzlich. Eines einte sie auch dort. Sie waren beruflich keine Durchstarter. Ja man könnte sie als jobmäßige Versager bezeichnen. Sie waren so etwa von der Sorte Mensch, die man ganz freundlich Lebenskünstler nennt.
Immer ein Lächeln, nicht dumm, ja sogar ganz intelligent. Kein Haß gegen Andere und harmoniesüchtig. Aber immer träge und faul oder so. Diese Lebenskünstler sind alle gleich. Sie spüren tief in sich drin so eine Stimme. Die scheint ihnen einzuflüstern, daß sie eigentlich ein Königreich und unendlich viel Anerikennung wegen ihrer Güte und Klugheit bekommen müßten. Diese Zeit sei zwar noch nicht reif, sie müßten ihr jedoch nur noch kurz entgegen- nicht -eifern und nicht- streben, auch nicht - fiebern, nein sie müßten dieser ihrer reifen Zeit nur entgegen-abwarten. Und deshalb stehen Billi und Harry wohl beruflich auch so lahm da. Sie warten immerzu, anstatt zu streben und zu fiebern. Nicht daß Harry scharf auf die Leitung eines ganzen Büros ist, er braucht prinzipiell keine Macht und ist durchaus ganz wenig eitel. Er ist ja auch noch jung. Nein so eine richtige Aufstiegssehnsucht war nicht sein Ding. Auch Bills Ding nicht. Das hatte beide nie gestört: das kleine Licht unter vielen, wenn auch in zwei unterschiedlichen Branchen zu sein. Aber wenn da nicht das Thema Kohle, Moos, Zaster, Pinkepinke… wäre. Harry könnte heulen. Im Prinzip redet er den Frauen der Welt den ganzen Tag ein, er sei ein toller Typ. Das macht er häufig und sie finden es interessant, daß er sich mit ihnen so gut unterhält. Ärgste Schnatterdosen und Plaudertaschen hatte er schon in den verschiedensten Situationen mit seinem in den letzten Jahren besonders angestiegenen Pegel des Redeschwalles an die Wand geredet. Die doch sehr zahlreichen Frauen, die er traf wollten dies scheinbar garnicht. Denn immer wenn er mit ihnen weiter wollte, wer will denn mit seinen weiblichen Bekanntschaften dauernd reden, ging es ans Eingemachte. Was machst Du denn eigentlich? Fragten sie. Und weder Schulabschluß noch Job schienen die Damen zu einem wenigsten Fortführen der Diskussion zu veranlassen. Dann kam an diesem einen Abend, an dem Harry sich fest vorgenommen hatte, endlich eine Frau aus der Trompete am Lützowplatz mit zu sich nach Hause in seine Junggesellenbude hin abzuschleppen, noch dieser eine Typ. Der schien, Herbine schonmal oberflächlich kennengelernt zu haben. Der Typ kam einfach dazu und sagte nur: Männer geben Ressourcen für Liebe und Frauen geben Liebe für Ressourcen. Das war ein Hammer für den sonst nicht gerade empfindlichen Harry. Seine Lebenserkenntnis kroch dem jungen Wilden in diesem Moment aus allen Poren.
Er verstummte und lief rot an und begann ein Ganzkörperdruckschweisaustreiben auf seinem inzwischen ganz alleine besetzten Kunstledersofa im Kellergeschoß in Berlins aktueller In-after work lounge.
Der Typ und Herbine waren gerade nach all dem Gerede von Harry ohne viel Gelaber gemeinsam richtung Ausgang geschlendert. Sie sind jetzt jedenfalls weg. Es sah für Harry so aus, als sei der ganze Laden in diesem Moment leer geworden. Starr stand er auf und wankte raus. Er hatte niemanden mehr wahrgenommen
Seit einigen Monaten wissen Bill und Harry: Geld muß her. Sie wollen mitmischen im Spiel um die Girls. In der DDR sollen die Beziehungen zwischen Männern und Frauen ganz auf der Basis der Liebe stattgefunden haben. Jedenfalls was die breite Masse betrifft. Die Frauen verliebten sich nich in die reichen Männer, dann wären ja eh die meisten ohne Mann geblieben, denn reiche Männer dürfte es in der DDR kaum gegeben haben. Und wenn einer reich war, war er entweder so dumm oder so häßlich, daß selbst die heutigen Damen ihn verschmäht hätten, soviel war Harry klar. Kurt Hager oder Harry Tisch, wie sie alle hießen, die Mächtigen in Ostberlin. Sie waren doch niemals Frauentypen und wären es auch nicht in der heutigen und kohleorientierten Zeit gewesen.
Als Harry Anfang der Neunziger begann, sich nach Frauen umzudrehen, fand er, genau richtig zu sein in Westberlin. Bei einer Art Kirmes in der französisch besetzten Berliner Zone, dem Deutsch Französischen Volksfest, fielen ihm erstmals die langen schönen Haare der Mädchen dort auf. Sie hatten alle eine Pracht an Haaren. Zum gucken wäre er gerne umgezogen. Im Osten waren die Frauen äußerlich eher nicht sein Fall. Gerne ließen sich die Frauen von den Friseuren Beraten. Was für den General Frieden ist, ist für den Friseur langes Haar. Nämlich Frust. Immer schon, zu tiefsten Schülerzeiten wollte Harry sein Bißchen Einfluß bei seinen Mitschülerinnen zu Gunsten der langen Haare geltend machen. Damals wie auch später hörte er nur noch Gegenargumente. Harrys Schwester ging auch immer zum Friseur. Dort hatte sie sich zuerst beraten lassen und dann nahm der Friseur eine Haarsträhne von ihr zwischen abgespreizten Zeige- und Mittelfinger
und fragte in Angriffskörperhaltung und so nah an mit seinem an ihr Gesicht, daß sie üblen Mief aus seinem Mund riechen mußte: Wat issn ditt? und nochmal: Watt is dett??
Sie weinte, dann ließ sie sich nach seinem Gustus frisieren und wurde von Minute zu Minute in feinster in der Friseurakademie gelehrter Manier Schritt für Schritt wieder seelisch und moralisch aufgebaut. Als sie den Frisiersalon verlassen hatte ging es ihr super: Ein neuer Mensch stand da auf den Straßen der Stadt mit S-Bahnanschluß am Rande Berlins. Als sie nach Hause kam und die allererste Reaktion eines auch noch so behutsamen Bekannten vernahm, war alles dahin. Sie brach in tiefe Trauer und Depression aus. Und das immer.
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Sitzt auf Bällen und weint - Mutter gegen Sohn
31.12.2008 von Leachim Rimov.
Das bringt doch garnichts. Wenn ich das Gefühl habe, sie hasst mich, dann hasst sie mich, wenn ich das Gefühl habe, sie lügt, dann lügt sie. Manchmal will ich ja garnicht wissen, ob oder ob nicht aber wenn, dann verlass ich mich auf mein Gefühl. Dann passt es auch. Er hatte gerade Zoff mit seiner Schwester, die nicht mit seiner Frau klarkam. Harry sah gerne diese Geschichten im Fernsehen.
Es war die Geschichte eines Jungen, dessen Mutter die Supernanny samt TV Team geholt hatte. Sie kam einfach nicht klar mit ihm. Er geriet ihr trotz seiner jungen Jahresringe, er war gerade drei, der Junge geriet der Mutter aus der Kontrolle. Die Mutter lebte alleine in England und in ärmlichen Verhältnissen mit ihrem kleinen Sohn zusammen. Immer öfter bekam sie ihn nicht zu den geringsten Notwendigkeiten des Tages überredet und stieß mit ihm aneinander. Er kämpfte mit seiner Mutter einen Kampf. Er stieß sie mit Worten und mit Füßen. Die junge Mutter wußte sich keinen Rat und holte die Supernanny. Die beobachtete das Treiben und sah nach genauem Hinsehen erst, was sonst vielleicht verdeckt weiter operiert hätte. Sie widmete sich ihm nicht, wie es Mütter sonst tun. Sie wies ihn ab, sie kommunizierte nicht mit ihm. Nur die nötigsten Dinge sagte sie zu ihrem Sohn und schloß dann gleich wieder die Tür… Ja, es war plötzlich ganz deutlich zu erkennen. Auf den ersten Blick war es für den Fernsehzuschauer ein kleiner frecher Bengel, der andauernd seine Mutter auf das gemeinste beleidigte. Wenn man aber genau hinsah, redete die Mutter nicht mit ihrem Sproß. Harry wollte wissen, warum sie ihn so abwies. Und auch das hatte die Supernanny herausgefunden, auch das war plötzlich sonnenklar. Der Vater des Sohnes hatte die Frau früh verlassen. Und der Sohn ähnelte ihm aufs Haar. Sie hasste ihren eigenen Sohn. Sie wies ihn ab. Er rief um Hilfe. Bat, bettelte um Zuwendung. Dann begann er sich seine Zuwendung selber zu besorgen, indem er seine Mutter mit seinen bereits erstaunlichen Möglichkeiten z. B. beleidigte. Sie sei eine fette Kuh. Daraufhin kümmerte sich die Mutter zwar immernoch nicht richtig um ihn, nahm ihn aber wieder für die Zeit eines intensiven Wortgefechts wahr. Das leuchtete sogar Harry ein.
Harry fand manche moderne Fernsehformate garnicht mal so blöd. Dieter Bohlen blies doch den Kids den Marsch von dem Willen und dem Weg, wenn sie sich nur recht anstrengten, das richtig zu tun, was sie taten, auf daß es super werden möge, wenn auch nicht gleich ein Superstar. Der Schuldenpapst Zwegert brachte allen an flott erzählten Beispielen bei, wie schnell es sich im Leben in die Schuldenfalle wandern lässt, wie immer gleich diese Geschichten klingen und was dann zu tun ist. Und dann himmelt Harry diese Frau an. Die Supernanny aus dem deutschen Fernsehen ist der ungekrönte König aller von der GEZ und seiner begleitenden Werbeeinnnahmen abgedekten und sonst völlig kostenlosen genialen und goldwerten Weltverbesserungsschulungssendungen. Diese Frau gehört an das Bundesverdienstkreuz geschlagen, dachte Harry, obwohl das ja quatsch ist.
Harry hatte Katharina Saalfrank anfangs für so eine alles einstampfende Journalistentante gehalten. Damals hätte er ihr auch andere Themen zugetraut. Sie hätte womöglich jeden Scheiß moderiert. Hätte sich um Penner wie um Nutten gekümmert und wäre dann Chefin einer Geldkoffer Quizz Show geworden. Aber Frau Saalfrank war in Wirklichkeit eine dieser anbetungswürdigen Menschen. Harry war ein Fan von ihr. Böse Zungen meinen, er hätte es mit ihrem Typ. Nein das war es nicht. Obwohl sie ihn natürlich auch so sehr ansprach. Warum fällt ihm nur gerade der name Ypsilanti ein? Weil dieser Typ Frau genau dem entspricht, was Harry früher von Frau Saalfrank dachte und nun genau dem Gegenteil. 1. Frau Saalfrank kann was. 2. Sie redet aber nicht dadrüber sondern 3. macht es. Und 4. keine macht es besser.
Oft leidet Harry an einer gewissen Sprachlosigkeit. Trotz tiefer Empörung über einen der vielen in der Welt vorliegenden tief ungerecht anfühlbaren Ungerechtigkeiten, kann Harry sich darüber nicht für die Benachteiligten gewinnbringend äussern. Er kann es einfach nicht sagen. Dann kommt einer daher, der es kann und Harry ist begeistert. Und so ging es ihm bei der Supernanny.
Zuletzt sah er zu, als sie mit zwei Jungen zusammen auf einer Wiese saß. Sie hatte beide vor den Augen aller gerade aus dem Sumpf von Gewalt und Kommunikationsnull gezogen und ihre Sprechschnüre in wenigen (stammesgeschichtlich müsste man von Mikromillionstel- sprechen) Sekunden behelfsmäßig aneinander gelötet. Diese Bengels würden nun wieder einen neue Beziehung aufbauen können und nicht ständig unter der Härte des vergangennen leiden.
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Schokolade fressen
21.12.2008 von Leachim Rimov.
In einem Wald in dem Gebiet, wo heuer ein riesiger Energiekonzern Flötze rasiert, leben seit neuem wieder die alten Tiere. Jahrelang hatte sich hier die alte Flora und Fauna wieder hergestellt. Der Mensch war über eine ausreichende Zeit gewichen. In der Zeit der DDR war es ein Sicherheitsgebiet. Man schoß sich mit Artilleriekanonen ein. Dazu bedurfte es drei Plätze, den wo die Kanone stand, den Platz wo die Granate einschlug und den wo jetzt der Wald gewachsen ist-der Überflugort.
An dem bewußten naßkalten Dezembermorgen raschelte es wie eigentlich jeden morgen im Unterholz des Jungtannenjagens. Aber heute ist etwas anders. Die Füchsin hält ausschau. Sie will unbedingt unentdeckt bleiben. Seit einem Jahr geht sie mit dem Fuchs von hier. Sie kennen sich schon ewig. Vor einem Jahr hatte er plötzlich ganz komisch geguckt und da ist es passiert. Sie bekamen ein kleines Rudel. Die kleinen Füchse waren gut gediehen, obwohl sie nie zu den großten und schönsten im Wald gehört hatten. Und nun waren die Monate so vor sich hin gegangen und die Füchsin hatte immer schon etwas geahnt. Dieser Mann kann es eigentlich nicht sein. Nicht daß er sich schlecht benommen hätte, daß er irgendwann nicht nett zu ihr gewesen sei. Er mochte sie wohl sehr. Aber das richtige Glück stellte sich nicht ein.
Da passierte etwas Kurioses. Sie hatte sich vor ein paar Wochen abermals am Abend davor mit dem Fuchs eingelassen, als an einem schönen Novembermorgen dieser Typ in der aufgehenden Sonne stand. Sie hatte ihn beim Frühstück jagen beim Mausen erwischt. Er hatte hier eigentlich überhaupt nichts zu suchen. Auch in den komischsten Wäldern galten Regeln. Es war liebe auf den ersten Blick. Als sie am Abend heimgekehrt war, fragte eine zittrige Stimme, wo sie gewesen sei. Sie war erstaunt, wie glatt ihr die Lüge durchging. Aber sie war doch vom Fuchs schwanger. Was sollte sie tun? Sie liebte einen anderen. Noch nie hatte sie so ein Gefühl. Ja sie hatte wohl überhaupt noch nie geliebt.
Heute ging sie zu ihm. Sie verließ ihre jetzige Welt und flüchtete sich in das Irgendwo.
Den Wurf aus dieser Welt, das war jetzt schon klar, würde sie mit eigenen Zähnen töten.
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Harry – lost in prenzlauer berg
21.11.2008 von Leachim Rimov.
Part 1
nasse Hamster - trockene Tücher - pfax.de
Sei einiger Zeit muß mein Sproß mehr für sich machen. Er ist nicht ausgeglichen, wenn Harry ihn vom Kindergarten abholt. Wenn man sich den Sohn recht anschaut, ist er auch eher was für den Fahrrad- oder Kletternachmittag als für Basteln und Musikschule gebaut. Harry macht sich in seiner Mittagspause immer etwas frisch auf der Männertoilette. Neben den Waschbecken in der Rettungswache hängen Spender mit blauer Flüssigkeit zur Hautdesinfektion. Er sagte zu seinem Kollegen, als sie gerade wieder über jemanden nicht anwesendes lästerten, daß Menschen, die unter den Armen stinken eigentlich ganz sympatisch sind. Denn man sagt ja auch, ehe man andere Leute mag, muß man sich erstmal selber mögen. Deshalb müssen diejenigen mit etwas strengerem Körpergeruch ganz prima Kerle sein, denn, wer öfter seine Wäsche wechselt, der kann sich eben nur nicht so gut selbst riechen. Jedenfalls ist die blaue Flüssigkeit neben dem Waschbecken prima dazu geeignet die Achselhöhlen aufzufrischen.
Part 2
Und dabei ist sie zur Desinfektion der Hände vor einem chirurgischen Eingriff gedacht. Im Gegensatz dazu funktioniert die eigentliche Substanz zur Vermeidung von Schweiß nicht. Harry hat seit Monaten einen Zerstäuber in der Morgentoilette, der vor allem bei der Benutzung selbst die Luft verpestet. Nein es stinkt nicht, was dort ausgestäubt wird. Es stockt einem den Atem, wenn man dieses Tätigkeitswort mal im Aktiv verwenden darf. Für eine lange halbe Stunde kann keine atmende Person den Applikationsort betreten, ohne ein Gesicht wie drei Tage beißender Qualm machen zu müssen. Wenn man das von Harry wegen der schlechten Merkbarkeit des Originalnamens “Zentrifugalspray” genannten Erzeugnisses der Kosmetikindustrie anwendet, riecht man ziemlich neutral. Dafür ist aber die Feuchtigkeitsbildung über Gebühr angeregt. Unerfreulich. Man sieht in Harrys entspanntester Haltung (in Arm über Kopf verschränkter vor dem Fernseher sitzender Haltung) zwei riesige Wasserflecken an der brisanten Stelle auf Harrys Arbeits T-Shirt.
Part 3
Ganz zur Erbauung von Harrys Arbeitskollegen: “Na führste wieder deine beiden feuchten Hamster spazieren?” oder “Manch einer riecht nicht nur so, sondern sieht och so aus…”. Das Zentrifugalspray nimmt Harry nicht mehr unter die Arme! Aber es hat sich etwas wunderbares herausgestellt. Das Fläschchen, welches sich Harry zur Beseitigung eines wichtigen Problemes in einer Ehe, dem Körpergeruch, besorgt hat, ist nicht gerade billig gewesen. Umsomehr freut es Harry, einen neuen Weg beschreiten zu können. Als er mit seinem in poncto Schwimmenlernen nicht sehr wissbegierigen 4einhalbjährigen Sohn in der Profisporthalle in der Landsberger Straße eine halbe Stunde im halbhohen Wasser bestens bemüht war, zog sich Harry ein Jucken und Brennen an den kleinen Zehen zu. Er hatte in der Eile, die man mit so einem hochmotivierten Sohn hat, seine eigenen Badelatschen zu Hause vergessen. So ein Mist, es ist ja immer irgendwas nicht da. Aber die Schuhe sind immer nicht mit dabei. Er denkt, die Anwendung des Pilzsprays geht in den nächsten Tagen nicht. Das alte ist fast alle und an die Apotheke kommt er in dieser Woche nicht ran.
Part 4
Ausserdem hatte es sowieso höchstens gelindert, keineswegs aber die erwartete schnelle Heilung von der Pein gebracht. Als der Sohnemann richtig durchgefroren nun freiwillig aus dem Planschbecken nach Hause folgte, die Apfelstückchen nach der Dusche unter dem Fön aufgezehrt waren, Stevie (so heißt der Sohnemann) selbst beide Kassenscheine in das Drehreuz am Ausgang gesteckt hatte und Harry nach kurzer Diskussion mit der im Glashaus sitzenden Einlassdame und mit dem bereits im nächsten Raum gefährliche Dinge mit Fremden (z. B. gegen Unterschenkel treten) machenden Sohn- durch den Rollstuhlausgang hinauskam und er endlich zu Hause im Badezimmer stand und seine juckenden und brennenden Zehen zu behandeln, gab er eine Briese Zentrifugal für die Axelhöhle auf die Zehen und zwei Tage nach der ersten Anwendung gab es keine Probleme mehr. I love Kosmetikindustrie. Aber zweimal hintereinander Haare Waschen kommt immer noch nicht in die Tüte.
Part 5
Harry kennt ein Mädchen, es heißt Baby.Baby war ein kleines Mädchen von wechselnder Haarfarbe und ausgesprochener Schönheit. Die Haare waren das einzige chemisch Veränderbare an ihr. Sie war wirklich so perfekt hochglanzmäßig, daß sie sich hätte niemals waschen müssen. Aber selbst das Haar war trotz der Bleirohre in ihrem Hause dicht und lang. Wir befinden uns im Berlin der beginnenden neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhundert und es ist Mai. Baby ist noch nichtmal zwanzig und wie alle Babies, schaut sie sich auch heute intensiv im Spiegel an, bevor sie die vier Treppen heruntersteigt. Die pralle Morgensonne ist Babys Ziel, die unten vor dem Hoftor auf ihr wunderbar schwarzumrandetes Augenblau wartet,.
Part 6
Sie liebt es in der Sonne auf ihr Fahrrad zu steigen und dem Duft der Großbäckerei zu folgen. Seit zwei Jahren kauft sie dort ihre Frühstücksbrötchen. Mal eins mal auch drei. Drei, nur wenn Harry (nicht der Brotharry) oben, vier Treppen höher und einige hundert Meter weiter bergauf, auf den drei Matratzen schlafsoffen faselt. Babys Bett ist aus geklauten Baubohlen. Harry hatte sieben Stück im letzten Herbst von einer Dauerbaustelle mitgehen lassen. Harry ist nicht groß aber bärenstark. Die Matratzen schenkte ihr die Oma als der Großvater gestorben war. Es waren altmodische Kamelbehaarungsklötze, die nur zu dritt einigermaßen Platz für Baby und ihren Harry boten. Heute kaufte sie wie immer die Schrippen und wollte gerade ihr schweres, altes Damenrad aus Biesenthal besteigen, da nahm ein großes ungeahntes Unglück seinen Lauf. Vor dem Brotshop, sie wollte gerade ihr Fahrrad besteigen - etwas zog sie in den Brotshop zurück und ihr Oberarm zerriß fast vor Schmerz.
Part 7
Was ist los?
Baby prallt mit dem Kopf auf den Terrazzoboden, eine Vitrine mit Erdbeerschnitten zerscheppert und ergießt sich über ihr. Die Verkäuferin fällt in die Donauwellen und blutet furchtbar aus dem Ausschnitt ihrer Kittelschürze. Dann endet das ohrenbetäubende Getöse mit einem heißen Wind, dann Knall und Feuer. Es war Kaffeautomatenmüller, der gerade dabei gewesen war, die kaputte Eduscho - Mühle auszuwechseln, da rauschte ein Sattelschlepper, vierzig Meter lang, vierzig Tonnen schwer, braun bemalt, scheinbar vom Teufel geritten, über die Straßenbahngleise, nimmt das H&M Girl der Woche und das Wartehäuschen Prenzlauer Tor unter die Räder und rast beschleunigend auf den Shop zu. Kaffeeautomatenmüller schießt der gerade die Ladentür schließenden Baby hinterher und zerrt sie ins Geschäft zurück. Dann gräbt sich der 505 PS Renault in die Mauern und kommt, erst mit der Zugmaschine gänzlich im Fabrikgebäude verschwunden, zum Stehen. Kaffeautomatenmüller ist sonst sehr von Ruhe, vierundsechzig, Schlossermeister.
Part 8
Wenn er Mädchen wie Baby trifft, kann er seinen seit vier Jahren steifen Hals drehen und wenden ohne jeden Schmerz. Je olla, je dolla pflegte Paula (die Brotshopverkäuferin) dann zu sagen. Sie liebte diesen alten Zausel. Beide waren ledig geworden vor vielen Jahren und waren schonmal zusammen ausgegangen, in die alte Hafenbar, in der Chausseestraße. Paula überlebte diesen Unfall nicht, Kaffeautomatenmüller erlitt noch am Unfallort einen Infarkt und verstarb im Krankenhaus Prenzlauer Berg an dessen Folgen. Baby war aus den Scherben gekrochen und die ganzen Erdbeerschnitten hatten verhindert, daß sie sich bei der Benzinexplosion des Sattelschleppers verbrannt hatte. Draußen jaulten schon die Sirenen, als Baby ohnmächtig und verschmiert, die Lungen voller Rauch, im hellen Sand einer Baugrube vor dem Shop zu Boden ging. Harry, der sonst immer noch schlief, als Baby mit den Schrippen die Wohnungstür aufschloß, war heute plötzlich irgendwie aus dem morgendlichen Dösen aufgeschreckt. Es trieb ihn wie besessen ganz plötzlich in die zusammen geknautscht auf dem Fußboden liegende Jeans und dann runter zum Backshop. Er rannte ohne zu atmen - schnell.
Part 9
Er sah um die Ecke auf die Prenzlauer Allee, ihm schien, als wäre gerade ein Jäger 90 in das ehemalige Bakkombinat gestürzt. Qualm lag auf dem Schauplatz. Autofahrer lugten aus dem Chaos. Vier Malteser Hilfsdienstkameraden bekamen von Harry gewaltig eine rein.
Sie hatten ihn behindern wollen, als er da sein Baby im Sand liegen sah. Sie blutete furchtbar im Gesicht, dachte Harry und beim Versuch sie wachzuküssen, schmeckte er die Erdbeerschnitten. Er nimmt sie in den Arm und trägt das geschockte Geschöpf in Sicherheit als er auf dem herausragenden Teil des LKW - Wracks, auf dem braunen Lack die großen weißen Lettern liest: Spedition Harry W. Hamacher. So ein Zufall, dachte Harry. Sollte es sich hierbei um den lang ersehnten Transport unserer Duden gehandelt haben?
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Ein Mann muß nicht abwaschen - Harry das Wahrzeichen
21.11.2008 von Leachim Rimov.
Jungen sind etwas in Rückstand geraten. Harry hatte es schon etwas länger bemerkt. Dieser Abend war nicht gut verlaufen. Einsam und wollend zweisam. Er befand sich vor dem Fernseher. Ein Video von einer angesagten Größe aus Deutschland läuft. Vor Harrys Augen läuft ein Parallelfilm ab. In seiner Fantasie fehlen die vom richtigen Regisseur ausgelassene Chancen zum guten Video. Zwei Vasen zerplatzen krachend rechts und links auf der Bühne und im nächsten Bühnenbild bricht an beiden Seiten ein Lichtblitz los. Heute hatte er im Radio eine Reportage über benachteiligte Jungen in der Schule gehört.
Der Star darin war ein Sozialarbeiter. Er wurde von der Schuldirektorin engagiert und soll sich um die Jungen kümmern. Die Jungen seien zunehmend verweichlicht, da sie nicht mehr von Männern, sondern von Frauen aufgezogen würden. Diese würden zunehmend alleine erziehen. Es fehle also an männlichen Orientierungshilfen. Wie kann der Junge geschlechtsspezifisch lernen, seine Konflikte zu lösen? Das sollte der Soziale mit den Halbwüchsigen einstudieren.
Harrys Frau hatte jahrelang mit ihm gelebt und irgendwann war beiden der Kragen geplatzt. Ihrer so wie jeden Tag und Harrys Kragen wurde vom nach all den Jahren vor Wut ungeahnt dick angeschwollenen Hals von einer auf die andere Sekunde gesprengt. Immer lag für seine Verhältnisse in ihrer Beziehung eine kleine Ungerechtigkeit vor und er wußte bis heute nicht welche es war. Sie hatte mehr und er zu wenig vom Beziehungskistentischler zugesprochen bekommen. Alles schien bis jetzt super. Sie redete viel von ihren Vorstellungen und beklagte sich täglich und Harry versuchte alles. um ihnen einigermaßen zu entsprechen. Er arbeitete hart und brachte zugegeben nicht die Masse Geld nach Hause. War er auch nicht immer pünktlich zu Hause, wenn er für die vielen Chefs Überstunden machen sollte, war er doch in der Zeit, die ihm für sein Familienleben blieb, immer ganz für die anderen da. Was war es, was ihn unterbewertet sein lies. Sie arbeitet hart und er auch, sie machte auch den Haushalt noch. Ja, er hatte das bessere einkommen und den verantwortungsvolleren Job, er hatte mehr zu sagen als sie beim Arbeiten. Zu Hause wollten sie sich immer in gleicher Augenhöhe gegenübertreten. Wenn sie aber ultimativ von ihm verlangte, er solle sich auchmal beim Abendbrotmachen beteiligen, dann sah er es nicht ein, sie könne es viel besser und bei ihm klappe es schließlich doch nicht mit dem Sinn des Essens, er sträubte sich jedesmal. Heute erfuhr er alles. Jetzt wußte er bescheid. Die ganzen Jahre war er ihr Beschützer. Niemand hatte sich wegen seiner bloßen Existenz an ihrer Seite an sie herangewagt. Keiner hatte ihr etwas getan. Sie hatte Angst ohne ihn. Wohl mit recht. Er war da und hatte ohne sie nie Angst. Er beschützte sie. Die Zeche für sein Wahrzeichensein hatte sie stets geprellt. Ja. Männer brauchen nicht abzuwaschen. Sie bewahren und bewachen. Ein Wachhund muß auch keine Mäuse fangen.
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Strafe muß sein
15.11.2008 von Leachim Rimov.
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Wenn einer eine Reise tut, ist nicht immer das Gleiche. Manche können ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, hinreisen wo immer und wie lange auch immer sie nur mögen. Andere machen aus der Not eine Tugend und kühlen ihr jugendliches Reisefieber bei guten Gelengenheiten. Der deutsche Volksmund hält ja auch ein passendes Sprichwort parat. Wo ein Wille ist, ist auch eine Reise. Martin und Speiche gingen vor einiger Zeit unter der Überschrift Ausbildung in die ferne Kapstadt. Sie hatten dort eigentlich viel weniger an ihrer Ausbildung zu feilen, als sie vorher gedacht hatten und waren unerhört viel frei. Es war eine wunderbare Zeit. Alles war gut. Doch auf der Tribüne bei einem Fußballspiel, besser gesagt danach, kamen den beiden Globetrottern Fragen. Wie eigentlich heißt es im Deutschen, wenn man ein Gesetz aufstellt, sagen wir einmal das Verbot, Haschisch zu konsumieren, und wenn dann lange lange dafür gesorgt wird, daß dort wo das Verbot gilt, massenhaft von der Droge verputzt wird. Die Gesetzaufsteller profitieren von der Ruhe der Armut in dem Kapstädter Slum und die Bewohner verarmen immer mehr und ihre Gehirne zeichnen auf den CT-Plots große kanabisbedingte Verkleinerungen. Sobald aber eine Revolte gegen die gesetzgeber geschieht und den Armen trotz der beruhigenden Wirkung der Droge alles zu viel oder besser zu wenig wird und sie sich mit einfachen Waffen aufmachen, um den Chefs die Möbel gerade zu ziehen, dann kommt einfach das Drogendezernat und findet bei den Redelsführern des Aufstandes Drogen und buchtet sie in eine Buchte. Bei diesem Fußballspiel sahen sie Kapstädter Arme und deren Rauchhilfen. Die Leute rauchten aus abgesägten Halblieterglasflaschen ihr Gras. Wie nennt man das alles??
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